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(Die technischen Daten habe ich soweit ich noch wußte aus dem Kopf)  

 

 Heinkel Perle

Hubraum 49 ccm 
1Zylinder-Zweitakt-Motor 
Bj 1965 
Topspeed 45 km/h 
Tank ca 2l unter der Sitzbank 
Gasdruckstoßdämpfer und Telegabel(chen) 
Trommelbremse vorn und hinten 

Stückzahl ursprünglich 27 000! 
Restbestand ca 185 Stück! 

Wo fange ich jetzt am besten an? Ja, ich denke ganz am Anfang. Ich hatte mit Mechanik und Motoren eingentlich in meiner Jugend nicht viel am Hut.

Die meisten Sachen, die ich in der Hinsicht anpackte, gingen schief. Als ich vielleicht 14 oder 15 war, weckte eine alte Heinkel Perle mein Interesse, die seit vielen Jahren in unserer Garage stand. Mein Vater war damit zur Arbeit gefahren, 1965, als es noch nicht so viele Autos gab. Heinkel, eine Firma, die im 2. Weltkrieg Flugzeuge baute, war nach dem Krieg dazu verdonnert, zivile, nicht fliegende Produkte zu bauen. Sie entschieden sich für Mopeds und brachten die Perle heraus, ein Moped, das sich durch einen tragenden (Metallguß?) Rahmen und einer Stoßdämpferfederung von ihren Konkurrentinnen abhob. Das Teil hatte eine Handschaltung und 2 oder 3 Gänge. Theoretisch war es auch möglich, mit dem Ding "Fahrrad" zu fahren, aber das war recht mühsam. Zum Anlassen mußte ein Dekompressionshebel am Lenker gezogen werden, und dann hieß es kräftig in die Pedale strampeln. Der Tank saß unter dem per Druckknopf abnehmbaren Sitz und das Ding machte einen Höllenlärm, wenn ich es mit den heutigen Mopeds oder Mofas vergleiche. Auf der ABE-Pappe war eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h vorgesehen.
Nachdem mein Vater nunmehr lange Zeit nur noch Auto fuhr, und mein Bruder seine ersten Fahrversuche auf der Heinkel absolviert hatte, und inzwischen den 1-er Führerschein sein Eigen nannte, probierte ich das "Erbstück" auch einmal aus. Zuerst im heimischen Garten als Rundkurs, später über die dörflichen Äcker und Feldwege - schwarz natürlich.
Da ich nun mit dem Ding durch die Gegend düste, war es mehr oder weniger zwangsläufig, daß ich auch einmal den Auspuff reinigen und ausbrennen (Zweitakter) oder den Vergaser ausbauen mußte. Hin und wieder waren auch die Unterbrecherkontakte nicht mehr im Lot. Geschadet hat es der Heinkel nicht, daß ich ab und an mit einem Schraubenzieher aus der Losbude auf sie los ging.

Always Ultra 

Hercules Ultra 80 

Hercules Ultra 80


80ccm Hubraum, 6,5 PS, Einzylinder-Zweitaktmotor mit Wasserkühlung 
Lenkerfeste Halbschale, elektronischer Drehzahlmesser, elektronische Zündanlage, 12V-Bordnetz 8Ah, 2 Scheibenbremsen vorn, 1 Trommelbremse hinten 
Topspeed: 80km/h 
Gewicht: 110 kg? 
Verbrauch: irgendwo zwischen 6 und 10l je nach fahrweise. Getankt wird 1:50 gemisch. Der Tankwart hatte öfter Mitleid beim Tanken an der 0,5l-Mofa-Zapfsäule.
 

Später, als ich 16 wurde, machte ich den 1b-Führerschein. Da bei mir Reihenfolgen schon immer so eine Sache waren, die man von zwei Seiten betrachten konnte, hatte ich, sponsored by Mom&Dad und durch Ferienarbeit, zuerst mein Leichtkraftbike und erst später den passenden Führerschein. In einer Zeit, in der Zündapp KS80 und Hercules Ultra 80 die edelsten unter den 80ér Moppeds waren, hatte ich die Chance, eine gebrauchte Ultra 80 zu ergattern und war mächtig stolz. Sie war damals eine der wenigen Leichtkrafträdern mit Wasserkühler, der den Motor nicht viel, aber einen Tick größer erscheinen ließ als es üblich war. Auch von den Proportionen war die Hercules schon irgendwie eine Große - für mich. Später lernte ich Regel Nr. 1 für Leichtkraftradfahrer: Parke auf einem Motorradparkplatz niemals neben einem echten Motorrad. Plötzlich war meine Hercules eine Miniausgabe. Die Rädchen, und auch das ganze Bike konnten dem direkten Vergleich nicht standhalten. Seither parkte ich wieder "solo", was den direkten Vergleich vermied. Auch wenn die Ultra 80 dem Vergleich zur Normalen nicht standhielt, war sie damals von der Leistung her eine der stärksten  80ér. Leidvoll mußte ich das immer wieder erfahren, wenn ich von meiner Ultra auf die Fahrschul-Yamaha RD80 umstieg und an jeder Ecke das Stück neu antreten mußte.
Da meine Ultra damals das einzige Fortbewegungsmittel war, fuhr ich sehr viel. Auch in der kalten Jahreszeit. Wie oft ich naß geworden bin, weiß ich nicht, aber ich weiß, daß ich oft genug triefend naß von einer Regenfahrt heimgekommen bin und das Biken verflucht habe. Für eine ordentliche Schutzkleidung hatte es damals finanziell nicht genügt, so daß ich mit ´nem 100DM Römer-Helm, ´ner Lederjacke und ´ner Jeans ganzjährig unterwegs war. Später kaufte ich mir noch eine Lederlatzhose. Die Handschuhe hatte ich, wie auch den Nierengurt, von meinem Opa übernommen, ein eingefleischter Zündappler.
Nach vielen Beinahestürzen, Umfallern, Vollwäschen und nach unzähligem Leid, das durch eine defekte Zündanlage verursacht wurde, verkaufte ich die Hercules und stieg mit dem 18. Lebensjahr aufs Auto um. Engültig, wie ich damals dachte. Zum einen war Motorradfahren sehr gefährlich, dachte ich, und zum anderen ist ein Auto eine bequeme, warme und einfache Möglichkeit, von A nach B zu kommen.
Dieser Zustand der Motorradverweigerung, des "Clean"-seins hielt an bis 1996, als ich mich daran erinnerte, daß es doch auch mal schön war, mit dem Mopped durch die Pampa zu düsen. Ich erinnerte mich an die kurze Episode, in der ich die Yamaha XT400 oder XT500 von meinem Bruder für einige Meter Fahrversuche benutzen durfte. Der Kickstarter war der Hit schlecht hin, vor allem, wenn die Kraft und die eigene Körpergröße nahelegen, Bikes mit solchen Hebeln zu meiden.
Ich beriet mich mit Uschi, hatte aber Bedenken wegen der Sicherheit. Knautschzone ade. Der Spruch die "Guten sterben jung" war mir von den Dummköpfen aus meiner Jugend in Erinnerung geblieben. Führt Motorradfahren unweigerlich zum Unfalltod? Ich wußte keine Antwort. Lange Zeit achtete ich bei Motorradfahrern auf ihr Alter. Auf diese Weise fand ich heraus, daß es sie gibt, die Alten, die das Motorradfahren überlebt haben.
Der Punkt war gegessen und ich holte meinen 1a-Schein nach. Die erste Fahrstunde erlebte ich in Trance. Ich bekam eine BMW R80 als Übungsobjekt. Die richtige Schutzkleidung hatte ich mir schon im Vorfeld besorgt, und als ich die ersten Meter hinter mir hatte, wußte ich, ich hatte noch gar nichts verlernt. Das Fahren ging von Anfang an wunderbar. Bis auf meine Angstübung (Bremsen und Ausweichen) lief eigentlich alles super. Nachdem ich meine Pflichtstunden genommen hatte, war ich auch schon bereit für die Prüfung. Die Prüfung dauerte nicht besonders lange und ich hatte meinen Schein. (Natürlich hatte ich vorher schon wieder das Motorrad zu Hause stehen).
So kam ich, verspätet, zum Motorrad.