Mostfun

(Meine Helmsprechanlage)
Als ich 1996 meinen Führerinnenschein fürs Motorrad machte, war mir klar: daß das erste was neben Helm und Schutzkleidung  und Motorrad angeschafft werden mußte, eine Helmsprechanlage war. Damals entschied ich mich aus dem verwirrenden Angebot von Helmsprechanlagen für die MOTOCOM HS1A von Kalter Elektronik. Ausschlaggebend für meine Entscheidung war der noch tragbare Preis, positive Berichte verschiedener Zeitschriften und die Tatsache, daß diese Anlage die einzige war, die ohne Steuergerät auskam.

Der Gedanke daran, daß wir uns nach dem Aufsitzen erst einmal gegenseitg Kabel austauschen sollten, und diese dann an einer mehr oder weniger fliegenden Box angesteckt werden sollte, war mir ein Graus.

Ich bestellte ein Set aus zwei Helmsprech-Kits und einem Kabelbaum, der ins Motorrad gebaut wird. Ein Helmsprech-Kit besteht im wesentlichen aus einer Konstruktion von einem Mikrofon, zwei Lautsprechern und einem Anschlußstecker die über Kabel an einem kleinen "Dominoklötzchen" angeschlossen sind. Das "Dominoklötzchen" enthält den kompletten Verstärker für einen Helm. Die Lautsprecher sind 4 mm dünn und besitzen eine wasserfeste Kunststoffmembran. Der Verstärker, der lt. Hersteller einen Sprachfilter besitzt, ist 20 mm x 25 mm x  5 mm groß und wasser- und stoßfest vergossen. Ein Schwachpunkt stellt das Mikrofon (Kristallmikrofon) dar, das mit 25 mm Durchmesser und 10 mm Dicke auch noch hitzeempfindlich ist. Das Gehäuse des Mikrofons besteht aus sehr schwachem und weichen Aluminium, was der Stabilität nicht unbedingt förderlich ist. Zum Glück gibt es aber genügend Kristallmikrofone im Elektronikfachhandel, so daß Ersatz nicht teuer ist. Ein Umsteigen auf Elektretmikrofone seitens des Herstellers wäre sehr wünschenswert, aber wohl wegen mangelnder Verstärkerleistung (Kristallmikrofone liefern mehr Spannung als andere Mikros) nicht möglich (Mutmaßung meinerseits). Die Helmsprechanlage ist qualitativ hochwertig verarbeitet. Die Kupplungsstücke sind intern je Ader einzeln mit Schrumpfschlauch isoliert. Lediglich der 80-Pfennig-Stecker am Helm läßt zu Wünschen übrig. Nach 3 Jahren habe ich die Teile ausgetauscht, nachdem sie sich auflösten.
 
 

 

Helmeinbausatz HS1A Kalter Elektronik,

Wangenpolster mit eingebautem Verstärker, links das Mikrofon und der Verbindungsstecker
 

Helmeinbau


Dank der dünnen Lautsprecher ist es möglich, diese in den Helm einzubauen, ohne die schützende Styroporkalotte des Helms zu verändern. Dazu setzt Frau einfach ihren Helm auf, und tastet mit den Fingern, wo sich ihre Ohren im Helm befinden. Dann wird diese Position mit Kreide markiert. Ich habe anschließend die Lautsprecherränder mit Kreide eingestrichen und diese an die Markierungen im Helm gedrückt. Das Innenfutter, das ja nicht sicherheitsrelevant ist, wird nun mit einem scharfen Cuttermesser gemäß der Kreidezeichnung herausgeschnitten, und die Lautsprecher möglichst mit speziellem Styroporkleber befestigt. Das beigelegte Klebeband verschwindet besser in der runden Ablage.  Ähnlich wird die Lage des Mikrofons markiert, und im äußersten Notfall Material entfernt. Der kleine Verstärker wird in einer Spalte verstaut oder so wie im Bild zu sehen, in das Wangenpolster eingebaut.
Bei Integralhelmen ist der Einbau sehr einfach. Ich habe inzwischen 4 Helme auf diese Weise umgebaut. Schwieriger ist der Einbau der Anlage in einen Klapphelm. Beim Caberg Unlimited 3 ist der Einbau des Mikrofons möglich, wenn Frau vorher mit der Lage des Mikrofons im Kinnteil ein bißchen herumspielt. Dabei ist es wesentlich, mit dem Mikrofonkabel möglichst nahe an den Drehpunkt des Kinnteils zu gelangen.
Dadurch macht das Kabel alle Bewegungen des Klappvisiers mit und eine Verständigung ist eingeschränkt mit geöffnetem Kinnteil bei Stadtfahrten möglich. Der fertige Helm wird über eine handelsübliche DIN 5-Pol-Verbindung (Stereoanlage) mit einem wundervoll dehnfähigem Spiralkabel (Telefonschnur) mit dem Motorrad-Einbausatz verbunden. Im Falle eines unfreiwilligen Abstiegs trennt sich der Helm sicher von dem Verlängerungskabel, und wird auch nicht dadurch zerstört. Leider trennt sich nach einiger Zeit die Steckverbindung auch einfach so, was dann furchtbar nervig werden kann. Abhilfe dagegen gibt es im Anschluß unter Tips.  Das Verbindungskabel selbst ist übrigens auch mit Lautstärkeregler lieferbar.
Motorradeinbau. Vielleicht eine nützliche Mehrausgabe, denn die Lautstärke der einzelnen Kits fallen doch recht unterschiedlich aus und falls Frau einen Brüllaffen im Ohr hat, leidet dann doch die Konzentration merklich.

Der Motorradeinbausatz besteht aus einem Kabel und Befestigungsmaterial. Das Kabel hat je zwei Anschlüsse für die Helme, einen für die Motorradbatterie (Sicherung eingebaut) und einem Steckverbinder, der für Radios (die erste Goldwing mit eigenem Briefkasten soll neulich gesehen worden sein) und Funkgerät benutzt werden kann. Auch hier ist der Einbau in der Regel sehr einfach.

Wertung

Durch die Konstruktion werden verschiedene Ziele erreicht: Die Anlage verbraucht nur dann Strom, wenn auch wirklich ein Helm angesteckt ist und keiner käme auf die Idee einen Kabelbaum zu klauen. Das eigentliche Sprecherchen ist ja immer im Helm. Die Anlage selbst ist qualitativ sehr hochwertig gebaut. Selbst in den Steckern sind die einzelnen Adern nochmals mit kleinen Schrumpfschläuchen isoliert, die Schirmungen der Kabel sauber isoliert und an die Masse geführt. Die Steckkontakte sind hochwertig, die Steck-verbindung am Motorrad ist mit Renkverschluß (ähnlich Bajonett) gegen versehentliches Öffnen gesichert. Die niederwertige Steckverbindung am Helm paßt dagegen gar nicht so ins Konzept. Nach 3 Jahren löste sie sich bei meheren Helmen auf und wurde von mir ersetzt. Die Firma geht auf Kundenwünsche (z.B. Kabellängen usw.) ein und repariert auch, wenn tatsächlich etwas nicht mehr geht. Die Verständigungsqualität ist recht gut, und wird eigentlich überwiegend durch die Windgeräusche des eigenen Helms, zum kleineren Teil aber auch durch die des anderen begrenzt.

Drei Schwachpunkte möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen. 1. Die Steckdosen am Motoreinbausatz sind nicht wassergeschützt. Auf Anfrage beim Hersteller wird jedoch ein Blindstecker geliefert, der dieses Problem löst. Die gleichen Stecker sind auch z.B. bei Conrad Elekrtonik, Best.nr.:73 70 62-44 (z.Zt. 5.10 Scheiben/Stk) erhältlich. An diesen wird am besten eine Anti-Klau-Öse gelötet, und das ganze am Rahmen befestigt und vibrationsfest gesichert (z.B. Klettverschluß). Der zweite Schwachpunkt ist die mangelhafte Entstörung der Lichtmaschinengeräusche. Wird die Sprechanlage direkt an die Batteriepole geschraubt, so halten sich die Geräusche in Grenzen. Wird das ganze jedoch über den Hauptstromkreis geschaltet, hört man im Hintergrund ganz gehörig das Pfeifen und Rattern. Hier hilft nur einen geeignete Entstörung. Das dritte Problem ist, daß der Stecker am Helm zeitweise auch ohne ersichtlichen Grund trennt. Eine schwache, verschleißfeste Rastverbindung wäre die Lösung. Abgesehen davon sind mir keine Probleme bekannt. Die Anlage arbeitet einwandfrei und zuverlässig. Die Bedienung ist sehr praktikabel, die Trägerin spürt von der Anlage nichts und Dank dem hochwertigen Spiralkabel ist die Bewegungsfreiheit in keiner Weise eingeschränkt.

Testberichte:

Tourenfahrer 1/2 94, S86

Anschriften für Helmsprechanlagen:


S.Kalter Elektronik, Postfach 1141, 85636 Putzbrunn, Tel.:08106/358930
AKE, Willi-Bleicher-Str. 6, 73230 Kirchheim/T, Tel.: 07021/55044
Baehr GmbH, Marktstr 2, Tel.: 06335/5004, Fax.: 06335/5008
Conrad Elektronik GmbH, Klaus-Conrad-Straße 1, 92240 Hirschau, Tel.:0180/53 12 111
Hein Gericke GmbH, Reisholzer Werftstr. 19, 40589 Düsseldorf, Tel.: 0211/98980
Louis GmbH, Rungedamm 35 21035 Hamburg-Aller-möhe, Tel.. 040/7341930

Tests und Anschriften für Funkanlagen


Testbericht:
MO, 8/96 Test Wechselsprechanlagen
MO, 5/97, S.68 Marktübersicht LPD´s
Tourenfahrer 5/1995, S.94
Motorrad 21/97, S.130
 

TEAM Elektronik GmbH, Bolongarostr. 88, 65929 Frankfurt/Main, Tel.: 069/31 43 82

TEAM verkauf übrigens nicht an Endkunden. Deshalb Katalog und Händlerliste anfordern.
 

Tips zur Kalther-Helmsprechanlage

1. Lima-Geräusche im Helm


Leider ist die Helmsprechanlage, wie beschrieben nicht entstört. Deshalb fallen einem nach 8stündiger Tour die Ohren ab. Damit es nicht so weit kommt, kann die Entstörung selbst vorgenommen werden. Da die Anlage nicht besonders viel Strom zieht, sind die Entstörsätze für Autos, die ja riesig sind, nicht nötig. Statt dessen wird ein handelsüblicher Spannungsregler mit 10 Volt und zwei Kondensatoren mit z.B. 100uF/25V benutzt. Der erste Kondensator liegt parallel zur Batteriespannung, Der Spannungsregler kommt dahinter und begrenzt die Spannung auf 10V (12V müßten eigentlich auch gehen). Die so geglättete Spannung wird noch mit dem zweiten Kondensator gepuffert und speist so die Helmsprechanlage. Die Schaltung kann auf einer Lochrasterplatine aufgebaut werden und wird anschließend in ein kleines Gehäuse mit Gießharz eingegossen.

2. Nerviger Stecker am Helm


Wen ein ausgeleierter Stecker am Helm den letzten Nerv tötet, kann die Steckverbindung durch hochwertige Metallstecker mit Renkverschluß austauschen. Ich habe es im Frühjahr getan, nachdem ich 2 Jahre immer wieder Zwangspausen wegen der marodierenden Verbindung einlegen mußte. Nun hält das ganze. Ein Wehrmutstropfen ist schon dabei: Das Kabel löst sich auch bei einem Sturz nicht unbedingt mehr zerstörungsfrei. Da aber die Spiralkabel recht viel Spielraum lassen, bleiben "Umfaller" folgenlos (Habe ich im Sommer 1999 getestet. Es hat prima funktioniert. Wir lagen beide am Boden, die Tenere daneben und wir haben uns gekugelt vorLlachen. Betroffene Augenzeugen unseres "Touchdown" haben uns wohl nicht verstanden...)

Inzwischen bin ich der Überzeugung, daß eine Helmsprechanlage idealerweise mit 6.3mm Klinkensteckern funktioniert, da diese über eine ordentliche Rasterung verfügen, die trotzdem bei einem Sturz auslösen kann. Von der Größe her sind diese nicht zu fummelig und von der Bedienung her können sie blind "bedient" werden.