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 Die Tenere und der Horizont

 Ténéré - Land da draußen

Unser erstes Bike. 
Ich hatte es gesehen und wusste sofort, dass es das war. Die Ténéré ist eine Reiseenduro. Sie ist auch bei längeren Touren zu zweit bequem. Die Leistung des Motors ist dabei voll ausreichend, sofern frau nicht der Autobahn-Heizer-Fraktion angehört. Für Schrauberinnen ist die Ténéré Dank umständlicher Verkleidung und einiger Features nicht so berauschend. Besonders wegen der Handlichkeit und  zuverlässigen Fahrreaktionen habe ich die Ténéré recht lieb gewonnen. Ich bin übrigens 170cm groß. Mit etwas Fahrpraxis ist das Fahren mit der Ténéré trotzdem kein Problem.   


In den Achziger Jahren versuchte Yamaha einen würdigen Nachfolger für die legendäre XT500 zu entwickeln. Es sollte eine standfeste, hubraumstarke Enduro sein. 1983 erblickte die erste Ténéré XT600Z das Licht der Welt. Die Ténéré ist eine ausgedehntes Wüstengebiet in der Sahara. Übersetzt heißt Ténéré "Land da draußen", ein wundervoller Name, für ein außergewöhnliches Motorrad. Das Herz der Ténéré, einen Einzylinder mit vier Ventilen, hatte sie von der XT550 in überarbeiteter Form bekommen. Die Ténéré etablierte sich sehr bald bei Rallye- und Fernreisefahrern als ein zuverlässiger, zweckmäßiger Weggefährtin. Mit ihrem 30 Liter Tank, dem moderaten Gewicht von 165 kg und den bis zu 49 Nm Drehmoment stand sie recht gut im Futter. Während in Deutschland die erste Generation der Ténéré eher einen mauen Erfolg brachte, fand sie weltweit einen reißenden Absatz. 1996 fand der erste Generationswechsel statt, der von vielen als „Verschlimmbesserung“ empfunden wurde. Um den Schwerpunkt der Maschine tiefer zu bekommen, wurde der Tankinhalt auf 23 Liter reduziert. Der Tank als Ganzes wurde tiefer nach unten gezogen, was in Verbindung mit der Form des Vorderradkotflügels zu einer mangelhaften Luftkühlung und dadurch bedingt zur Überhitzung und zu Motorschäden führte. Außerdem wurde eine Benzinpumpe nötig. Die Ténéré bekam einen Elektrostarter, der wahlweise zum noch vorhandenen Kickstarter zu bedienen war. Durch den nun gewachsenen Strombedarf mußte die Batterie vergrößert werden. Die Ténéré war nun 175 kg schwer, aber auch handlicher. Kleine Details machten es den Besitzern schwer. So mußte nun für die Ölstandskontrolle ein Seitendeckel entfernt werden.
Durch die massiven Motorschäden war Yamaha gezwungen, rasch zu handeln, um nicht den guten Ruf der Ténéré zu zerstören. In einer Rückrufaktion wurden alle Ténérés des Baujahres 1986 umgebaut, um das thermische Problem zu beseitigen. Ein veränderter Vorderradkotflügel ermöglichte der Luft nun, zum Motor zu gelangen und ein fetteres Gemisch sorgte im Motor für „kühlere“ Verbrennungstemperaturen. Yamaha bekam das Problem in den Griff.
1988 erschien die dritte Generation der Ténéré, bei dem besonders auf die Standfestigkeit des Motors Wert gelegt wurde. Die Ténéré wurde nun hinten mit einer Scheibenbremse verzögert. Ein Doppelscheinwerfer, eine Verkleidung  und einen unmittelbar über dem Vorderrad befestigter Kotflügel veränderten das optische Bild der Maschine. Das Gewicht wuchs auf 185 kg. Der Kickstarter war nunmehr ganz verschwunden.

Jenny mit der Tenere  Anfang 1991 wurde die Ténéré quasi noch einmal neu entwickelt. Der bis dato nur in Details überarbeitete 4-Ventil Motor wurde durch einen 659ccm großen fünfventil-Motor ersetzt. Die XTZ660 Ténéré war geboren. Für die solide Kühlung zeichnete eine Wasserkühlung verantwortlich, mit der die bis dahin verwendete Luft/Öhlkühlung ersetzt wurde. Der Rahmen wurde neu konzipiert und der Motor als tragendes Element integriert. Nochmals geschmälert wurde der Tank, der seither 20 Liter faßt. Mit nunmehr 195 kg Gewicht verließ nun die Ténéré die Geländepisten und wurde zu einem stabilen, bequemen und gutmütigen Reisemotorrad. Für diese Version fanden sich in Deutschland 2976 Käufer. In einigen Publikationen wurde die Ténéré wegen ihrer Fahreigenschaften und ihrer guten Schräglagenfreiheit als „Sporttourer“ tituliert, der sich offziell als Enduro verkleidet.

 

 1995 war das Jahr in dem die XTZ660 optisch verändert. Ein Doppelscheinwerfer ersetzte den Rechteckscheinwerfer und die Verkleidungsteile wurden der XTZ750 Super-Ténéré angeglichen. Ein niedriger Geräuschpegel wurde ab 1996 mit einer Einbuße von 2 PS bezahlt. Bis 1995 wurden von dieser Variante rund 1400 Käufer gemeldet. Nachdem Yamaha 1996 die Super-Ténéré, die nur ihren Namen und die Optik mit der Ténéré gemein hat, aus dem Lieferprogramm von Yamaha gestrichen wurde, ist die Ténéré XTZ660 nun die hubraumstärkste Reiseenduro von Yamaha. 15 Jahre Modellexistenz der Ténéré sprechen eine deutliche Sprache, was die Zufriedenheit der Käufer betrifft, auch wenn die Ténéré in vielen Tests immer wieder als „durchschnittlich“ eingestuft wurde. Vielleicht ist es das Drehmoment von 59Nm, vielleicht aber auch die Zuverlässigkeit des Motors, daß immer wieder gerade der Ténéré-Motor die erste Wahl ist. Jedenfalls wird das Triebwerk sowohl bei Yamahas Sportler SZR660 als auch bei allen aktuellen Modellen der Firma MuZ (Scorpion, Replika....) eingesetzt.
Wermutstropfen bei der XTZ660 ist die Schrauberunfreundlichkeit und die geringe Zuladung, die beim Reisen zu zweit eine Rolle spielt. Die unglückliche Ölstandskontrollmöglichkeit ist bis heute geblieben. Der Ölpeilstab sitzt bei der XTZ660 zwischen Lenkkopflager und Tank und ist nur sehr schwer zu erreichen.
 Unsere Tenere am Sonnenblumenfeld


Hier noch ein paar Daten:

Typ: Ténéré XTZ 660
Motor: 1 Zylinder-Viertakt-Motor, wassergekühlt, 
5 Ventile
Hubraum:  659 ccm
Leistung: 48 PS/36kW
46 PS/34.5kW (ab 1994)   
Drehmoment:   57 Nm
Masse: 202 kg
Topspeed: 158 km/h
0-100km/h: 6,3s
Verbrauch: 5,5 l/100 km Super